Lüchow-Dannenberg, 17. September 2026. Mit großer Sorge blickt der DRK-Kreisverband Lüchow-Dannenberg e.V. auf das geplante Pflegeneuordnungsgesetz der Bundesregierung. Als bedeutender Träger regionaler Pflegeeinrichtungen und Arbeitgeber für mehr als 200 Mitarbeitende im Pflege- und Seniorenbereich schließt sich der Kreisverband der landesweiten Kampagne „Pflege wird ausgebremst!", der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (LAG FW) Niedersachsen an.
„Pflege braucht zukunftsfähige Reformen – aber Reformen dürfen nicht die Versorgungssicherheit vor Ort gefährden oder funktionierende Unterstützungsstrukturen zerschlagen", betont Thomas Heldberg, Kreisgeschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Lüchow-Dannenberg. „Im ländlichen Raum wie Lüchow-Dannenberg sind pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen darauf angewiesen, dass ambulante Pflegedienste und Tagespflegeeinrichtungen verlässlich und wirtschaftlich stabil arbeiten können. Die aktuellen Gesetzesentwürfe drohen jedoch, den Versorgungsdruck massiv zu erhöhen und Senioren in die Abhängigkeit der Sozialämter zu treiben.
Tariftreue ausgesetzt, Refinanzierung begrenzt: Hoher wirtschaftlicher Druck
Besonders kritisch sieht das Deutsche Rote Kreuz die geplante Aussetzung der Tariftreuerückregelung und die damit einhergehende Deckelung der Refinanzierung.
„Gute Pflege basiert auf hochqualifizierten, engagierten Fachkräften, die eine faire und verlässliche Vergütung verdienen", erklärt Anita Steindorf, Leiterin des Fachbereichs Pflege und Senioren im DRK-Kreisverband Lüchow-Dannenberg. „Wenn Lohnsteigerungen tarifgebundener Einrichtungen künftig nicht mehr vollständig refinanziert werden, geraten die freien Träger unter enormen wirtschaftlichen Druck. Die Konsequenz wäre verheerend: Angebote müssten verknappt, Kapazitäten zurückgefahren und die bereits angespannte Pflegelandschaft im Landkreis weiter belastet werden. Zudem ist die Gefahr groß, dass engagierte Pflegekräfte die Pflege erneut verlassen."
Parallelstrukturen vermeiden und häusliche Pflege stärken
Auch die geplante Einführung einer neuen „Pflegebegleitung" bei gleichzeitiger Abschaffung der bewährten Beratungsbesuche durch ambulante Pflegedienste stößt beim DRK auf Unverständnis.
„Durch den Wegfall der bisherigen Beratungsbesuche entzieht man den Pflegediensten ein wichtiges, fachlich fundiertes Standbein und schafft unnötige Parallelstrukturen", führt Anita Steindorf weiter aus. „Zudem nehmen die geplanten Kürzungen beim Sozialraumbudget den Betroffenen wichtige Wahlmöglichkeiten. Wenn Mittel für Tages- und Nachtpflege wegfallen, trifft das pflegende Angehörige hart, die auf diese Entlastungsangebote angewiesen sind, um eine vollstationäre Unterbringung hinauszuzögern."
Ein weiteres Warnsignal sei die geplante Absenkung der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige, die die soziale Absicherung derjenigen schwächt, die den Großteil der Pflegearbeit im häuslichen Umfeld leisten.
Kampagne „Pflege wird ausgebremst!" setzt deutliches Zeichen
Um auf die drohenden Folgen aufmerksam zu machen, bringt der DRK-Kreisverband Lüchow-Dannenberg e.V. das Kampagnenmotiv – den Bundesadler in Kombination mit einem Pflegedienstfahrzeug – gut sichtbar auf den Dienstfahrzeugen seiner Mitgliedsverbände und Pflegedienste im Landkreis an.
„Unsere Kampagne ist kein grundsätzliches Nein zu Reformen", stellt Thomas Heldberg klar. „Sie ist ein dringender Appell für Transparenz, ehrlichen Dialog und tragfähige Lösungen, die den Menschen in unserer Region wirklich helfen. Hinter jedem Paragrafen stehen Schicksale von Menschen, die auf verlässliche Pflege angewiesen sind, und Mitarbeitende, die täglich ihr Bestes geben."
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